Die Polar GritX hat mich zu Anfang gar nicht so sehr vom Hocker gehauen. Aber nachdem ich mich ein bisschen in die Trainingsfunktionen und Analysesoftware PolarFlow eingearbeitet und alles mit Komoot verbunden hatte, habe ich das Gerät zu schätzen gelernt. Für unaufgeregte Datenjunkies und nüchterne Laufanalysten eine Top-Wahl! Ganz die finnische Art.

Polar GritX

Hersteller: Polar
Modell: GritX
Display-Auflösung: 240 x 240 Pixel
(Displaygröße: 1,2 Zoll)
Größe: 47 x 47 x 13 mm
Gewicht: 64 g
Batterie: Lithium-Polymer-Akku
Betriebsdauer:  Alltagsmodus: bis 7 Tage
GPS: bis 40 Stunden
UVP: 429.95 €
Testdauer: 6 Wochen
Bilder©Polar und Trampelpfadlauf

Nachhaltigkeit
Es gibt eine Selbstverpflichtung für Umwelt- und Sozialstandards, aber keine Zertifizierung oder Label. Alle Infos unter:
https://www.polar.com/de/uber_polar/wer_wir_sind/umwelt

Kurze Beschreibung
Die Polar GritX ist eine Outdoor-Multisport-Uhr mit höchsten Ansprüchen an Langlebigkeit und Robustheit. Mit der PolarFlow-Infrastruktur ermöglicht sie zudem zahlreiche, neue Funktionen zur Trainingsanalyse und -steuerung. Mit Hinblick auf die Akkulaufzeit sticht die Polar GritX deutlich gegenüber anderen Smartwatch/Sportuhren hervor und erweist sich damit sowohl als verlässlicher Begleiter für lange Outdoor-Aktivitäten als auch als unkomplizierte Alltagsuhr, die nicht ständig nach Wiederaufladen schreit.

Erster Eindruck und Bedienung
Einmal entpackt, besticht die Polar GritX durch hohe Qualität (“Strapazierfähigkeit auf Militärstandard” laut Webseite). Das Uhrengehäuse ist sauber und hochwertig gefasst, das Armband leicht perforiert und haptisch angenehm. Mit nur 64 Gramm gehört die Uhr trotz ihrer Funktionsfülle zu einer der leichtesten Modelle. Optisch ist sie eher unauffällig gehalten. Das Armband in Khaki sorgt nicht gerade für eine Farb-Ekstase (es gibt weitere, eher militärfarbene Armbänder zum Auswechseln) und das Display wirkt im Kontext moderner technischer Geräte eher kontrastarm und grob hinsichtlich der Auflösung. Vermutlich mussten hier aufgrund der hohen Anforderungen an die Akkulaufzeit Kompromisse eingegangen werden.
Das Setup kann komplett und unkompliziert auf der Uhr selbst durchgeführt werden. Die initiale Bedienung findet sich überraschend intuitiv, erweist sich aber als zunehmend komplexer, sobald man in die zahlreichen Spezialfunktionen eintaucht. Es empfiehlt sich dazu die PolarFlow-App auf Handy oder Laptop zu installieren, um vollen Zugriff auf alle Trainingsanalyse-Tools zu erhalten. Dazu gleich mehr.
Die Steuerung kann sowohl über Touchscreen als auch über die seitlich im Gehäuse integrierten Knöpfe erfolgen. Die Touchbedienung auf dem verhältnismäßig kleinen Display gestaltete sich gerade bei Regen nicht immer einfach.

Technische Funktionen und Traningsanalyse
Auf diesem Gebiet spielt die Polar GritX ihre wahre Stärke aus. Standardmäßig läuft eine Hill-Splitter-Funktion mit, die im Nachhinein Auf- und Abstiegsstrecken aufsummiert. Dazu erhält man eine Schätzung der auf dem Lauf verbrauchten Kalorien und zwar in dedizierten Anteilen für Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett. Pulsfrequenz, Leistung und Geschwindigkeit werden über fünf Sektoren (too easy – too hard) getrackt und wiederum prozentual aufgeschlüsselt. Analysefreaks sollten also vollkommen auf ihre Kosten kommen, wobei wir hiermit erst an der Eisbergspitze kratzen.
Mit der FuelWise-Funktionalität lassen sich regelmäßige Trink- und Ess-Erinnerungen in gewünschten Zeitabständen vor einem Lauf festlegen. Das erweist sich besonders bei langen Ultras als sinnvoll. Des Weiteren gibt die Uhr zu jeder Zeit Feedback über den aktuellen Trainingsstand (unterfordert – erhaltend – überfordert) und schlägt passende Trainingseinheiten (z. B. einen längeren Lauf oder Kräftigungsübungen) vor. Je nach Ambition lässt sich ein Fitnesslevel und ein dazugehöriges Tagesziel an Bewegung festlegen.
Die Gestaltung von PolarFlow fällt zunächst etwas ungewohnt gegenüber den bekannten Nutzeroberflächen von Garmin oder Suunto aus. Die Software ist aber ein tolles Analysetool. Tatsächlich schade ist jedoch, dass es keine interne Routenplanung gibt, d. h., ein Zusatzaccount beim Drittanbieter Komoot ist zwingend erforderlich. Das Importieren eigener Routen funktionierte aber nach Konsultation entsprechender Erklärvideos problemlos. Die Routenführung auf der Uhr ist im Navi-Style gehalten und erinnert pünktlich 29 m vor der nächsten Kurve ans Abbiegen. Sollte man einmal von dem geplanten Weg abkommen, wird man durch ein dezentes Vibrieren am Handgelenk darauf aufmerksam gemacht. Soweit getestet, wird im Navigationsmodus aber leider kein Live-Kartenmaterial angezeigt.
Eine weitere Neuigkeit stellt die NightlyRecharge-Funktion dar. Diese überwacht Herzschlag und Atemrhythmus über Nacht und liefert am Morgen eine Statistik über Schlafgüte (Dauer, REM- und Tiefschlafphasen etc.) und Erholungszustand. Sicherlich ist es etwas ungewohnt, mit der Uhr am Handgelenk schlafen zu müssen. Einen Versuch ist es aber in jedem Fall wert, denn die umfangreichen Analyseergebnisse eröffnen eine ganz neue Sichtweise auf das eigene Schlafverhalten.

Auf dem Trampelpfad
Je mehr man die Uhr nutzt und sich mit all ihren Finessen vertraut macht, desto mehr schätzt man sie. Während sie optisch eher ein nüchterner Begleiter ist, sorgt sie im Nachgang für viel Spaß an der Datenanalyse. Tragekomfort und Akkulaufzeit sind wirklich brilliant. Touchscreenbedienung, GPS-Genauigkeit und optische Pulsmessung am Handgelenk überzeugen meistens. Die Displayleuchtkraft ist ein wenig schwach, das stört aber eigentlich nur bei starker Sonneneinstrahlung.

Fazit von Josie

Die Polar GritX hat mich zu Anfang gar nicht so sehr vom Hocker gehauen. Aber nachdem ich mich ein bisschen in die Trainingsfunktionen und Analysesoftware PolarFlow eingearbeitet und alles mit Komoot verbunden hatte, habe ich das Gerät zu schätzen gelernt. Für unaufgeregte Datenjunkies und nüchterne Laufanalysten eine Top-Wahl! Ganz die finnische Art.

Frau? Mann?

Produkte, die von einem geschlecht getestet wurden, gibt es meistens auch für das andere.