Die Salomon 4Trails sind aus meiner Sicht etwas für Einsteiger in die alpinen Trails und/oder Etappenrennen. Aber auch für ambitionierte Trailrunner können sie etwas sein, denen sollte es dann aber mehr ums Tempo als um einen hohen Trailanteil gehen. Die Idee mit den fortgesetzten Etappen von Seefeld bis an den Gardasee finde ich super.

Salomon 4Trails reloaded 2019

Website: 4trails.net
Distanz: 4 Etappen mit insgesamt 95km und 5.659Hm
Startgeld: 450,-€ 
Bilder: ©Philipp Reiter / Trampelpfadlauf
Videos: ©Iven Hickmann

Beschreibung
Die Salomon 4Trails sind ein viertägiges Trailrun- und Hikeevent, was im ersten Jahr in Seefeld in Tirol gestartet wurde und in Imst nach vier Etappen zu Ende ging. Im kommenden Jahr startet die erste Etappe dann am diesjährigen Endzielort Imst und setzt sich über insgesamt vier Jahre im gleichen Format bis hin zum Gardasee fort. Die Tagesetappen sind zwischen 22 und 25 Kilometer lang und haben ca. 1300 bis 1600 Höhenmeter.

Anreise
Der diesjährige Startort Seefeld war nur mit dem Auto oder per Bus erreichbar. Es standen im Ort jedoch genügend Dauerparkplätze für die vier Tage des Events zur Verfügung. Während der Etappen bot der Veranstalter PlanB Event Company zusätzlich einen kostenpflichtigen Shuttleservice vom Ziel zum jeweiligen Hotel an. 

Übernachtung
Es gibt auf der Website vom Veranstalter verschiedene Übernachtungspakete diverser Anbieter bzw. Tourismusverbände vor Ort. Wer möchte kann aber auch alle Unterkünfte selbstständig organisieren, da es ja die zubuchbare Shuttleoption gibt. Die von PlanB beim Empfang der Unterlagen bereitgestellten Taschen werden täglich vom Start zum jeweiligen Zielort transportiert. Dort müssen sie dann im Ziel selbstständig mit ins Hotel bzw. die Unterkunft transportiert werden. 
Ich habe für die vier Tage nur eine Unterkunft ziemlich in der Mitte der Gesamtstrecke gebucht. Hierfür benötigt man aber einen weiteren Begleiter der einen dann im Ziel abholt bzw morgens zum Start bringt. Nur mit ÖPNV und Shuttleoption wäre diese Option nicht möglich gewesen.

Organisation
PlanB als langjähriger Veranstalter diverser Sport- und Trailevents bringt reichlich Erfahrung in Sachen Wettbewerbsorganisation mit. Die Abläufe wirkten reibungslos und man hat immer ein offenes Ohr für die Teilnehmer. An den jeweils zwei Verpflegungsstellen unterwegs sowie später im Ziel herrschte immer gute Stimmung. Die Auswahl an Verpflegung (Obst, Riegel, ClifBloks, Kuchen, Käse und vieles mehr) sowie verschiedenen Getränken war sowieso mehr als reichlich. Einziger Kritikpunkt für die Verpflegungsstellen im Ziel, hier wurden sehr oft Plastikbecher für das ausgeben von Getränken genutzt. An der Stelle appelliere ich da
an die Zielorte hier auf die Ressourcen der Teilnehmer im Sinne der Nachhaltigkeit zurückzugreifen. Jeder von uns hat mindestens zwei Flasks oder eine Trinkblase und idealerweise sogar noch den kleinen Faltbecher dabei. Daher finde ich es persönlich unnütz hier extra Plastikbecher zu verwenden. 

An der täglich stattfindenden Pastaparty ist das Essen für die Teilnehmer kostenlos. Im Rahmen dieser gemeinsamen abendlichen Veranstaltung werden dann auch die jeweiligen Platzierungen in den einzelnen Kategorien geehrt und das Briefing für den nächsten Renntag abgehalten. Wer als Gast/Supporter daran Teilhaben möchte, kann beim Veranstalter das Family & Friends Paket buchen. Neben der Teilnahme an den Pastapartys inklusive Essen gibt es zudem andere nette Kleinigkeiten.

Bericht
Die Salomon 4Trails rufen bei mir sofort gewisse Erinnerungen aber auch Erwartungen hervor. So war ich 2015 bei der letzten Auflage am Start und freute mich erneut auf vier schöne Tage in den Bergen. Das neue Konzept mit kürzeren Etappen spielte mir in die Karten, kam ich doch in letzter Zeit nicht mehr dazu größere Umfänge für tägliche Etappen von um die 40km zu trainieren. Auch ein wenig mehr Grundtempo auf den kürzeren Etappen sind als Training sicher nicht das schlechteste Mittel für weitere Rennen. Das Wetter war am Dienstag in Seefeld, beim unkomplizierten Empfang der Reisetasche samt Unterlagen und Goodies, vielversprechend. 

Etappe 1 – Seefeld nach Leutasch
So ging es am Mittwochmorgen weiter, die Sonne lachte mit Organisatoren und Teilnehmern gleichermaßen um die Wette. Die Stimmung war bei allen freudig aufgeregt. Nach der obligatorischen Kontrolle der Pflichtausrüstung fiel der Start pünktlich um 8:55 Uhr. Sofort wurde ein sehr hohes Tempo durch die Gassen von Seefeld bis hin zur Talstation des Rosshütten-Express angeschlagen. Zu besagter ging es dann teilweise ordentlich steil durchs Skigebiet hinauf und vorbei an der Rosshütte bis zum Seefelder Joch auf ca. 2000m Seehöhe. Somit waren die ersten gut 1000Hm schon absolviert. Der anschließende Downhill bis ins Gießenbachtal war mit einer kurzen Forstwegunterbrechung genau das was ein Trailrunnerherz höher schlagen lässt, steil und technisch. Die folgenden Kilometer bis zum VP 2 und wieder hinauf zum Hohen Sattel waren leider fast ausschließlich mit Forstwegen versehen. Dann ging es nochmals einen schönen Downhill hinunter nach Weidach. Von hier waren es noch ca. 2km über einen langen Fahrradweg entlang der Leutascher Ache ins Ziel am Alpenbad. Somit waren es ca. 16km Trails und 9km Forst-/Teerwege bei 1500Hm.

Etappe 2 – Leutasch nach Wildermieming
Auch der Donnerstag begann sonnig und abermals ging es richtig flott aus Leutasch hinaus durchs Gaistal bis zur VP1 an der Gaistalalm. Leider war bis zum Fuß des einzigen langen Aufstiegs an dem Tag alles Forst oder Teer. Kein einziger Meter Trail auf den ersten gut 11 Kilometern. Das sollte sich ab hier aber ändern, der Aufstieg über gut 600Hm hinauf zur Niederen Munde auf ca. 2000m Seehöhe war mit allem gespickt was man sich wünscht bis hin zum Einsatz der Hände am Fels 😉
Auch der folgende Downhill hinunter zur VP 2 zur neuen Alphütte war ein Traum, technisches Gelände mit allen Facetten die einen guten Trailrun ausmachen. Nach der Verpflegungsstelle wurde es dann ein schöner und laufbarerer Waldtrail hinunter bis an den Ortsrand von Wildermieming. Somit war nur der letzte Kilometer kein Trail. Macht in Summe gute 12km feine Trails und dasselbe nochmals auf Forst bzw. Teer, was natürlich nicht so fein ist. 

Etappe 3 – Wildermieming nach Nassereith
Aufgrund von angekündigten Gewittern am Nachmittag wurde am Dritten Tag die Etappe um den schönsten Teil der ganzen vier Tage gekürzt und das Hölltörl sowie der Abschnitt über das Marienbergjoch rausgestrichen. Bei der übriggebliebenen Strecke, bis Kilometer sechs kurz nach dem VP 1, galt es wieder einmal reichlich Forstwege mit ca. 500Hm zu laufen. Danach gab es jedoch einen spektakulären, weil sehr steilen und schottrigen Aufstieg hinauf zum Stöttltörl. Einmal übers windige Törl drüber gab es einen kurzen aber ebenso phänomenalen Downhill über ca. 400Hm hinunter in Richtung Lehnberghaus. Die restlichen gut 600Hm ging es auf Forstwegen in einem nicht enden wollenden Downhill hinunter nach Weisland. Weiter vorbei am VP 2 und mit kurzen trailigen Unterbrechungen bis zum Ziel in Nassereith. Kurzum es waren leider nur 6km Trails auf einer 22km andauernden regnerischen Etappe. Was aus meiner Sicht gar nicht geht. Dazu unten mehr….

Etappe 4 – Nassereith nach Imst
Heute wurde wieder die Originalroute gelaufen. Der Abschnitt könnte dem ein oder anderen bekannt vorkommen, wird er doch beim Transalpine-Run fast gleich gelaufen. Es ging kurz nach dem Ortsausgang direkt in einen sensationellen kleinen Waldtrail bis hinauf zum Sinnesjochgatter. Der Teil bis ca. 1km vor Obtarrenz bot alles, von wurzlig über matschig bis hin zu felsig. Danach wechselten sich Trails und Forstwege gleichmäßig ab und es blieb ein stetig wechselndes auf und ab entlang der Salvesenklamm und weiter nach Imst. Insgesamt eine kurzweilige und wieder sauschnelle Etappe bis hinein ins Zentrum von Imst zum letzten Finish. Der Trailanteil lag hier bei ca. 50-60%. Weiterer Kritikpunkt, die ausgegebene Streckenkarte war deutlich fehlerhaft in der Angabe der Höhenmeter. Das führte dazu, dass nicht nur ich die ganze Zeit auf die schlussendlich gut 200 fehlenden Höhenmeter bis ins Ziel wartete. Hier sollte man genauer die Angaben im Vorfeld kontrollieren oder die Teilnehmer beim Briefing auf den offensichtlichen Fehler hinweisen.

Mögliche Verbesserungen
Wie man oben sicherlich schon lesen konnte ist der Trailanteil aus meiner Sicht mindestens knapp bemessen, schließlich heißt das Event 4Trails! Der Name verpflichtet nun mal, aus meiner Sicht, nicht nur um die 50% Trails aufzubieten, sondern deutlich mehr. Das kann ich als Teilnehmer, finde ich, bei den Möglichkeiten vor Ort auch erwarten. Es müssen nicht immer die spektakulären und technischen Trails sein. Auch kleine feine Wald- und Wurzeltrails sollten doch zum überwiegenden Streckenprofil gehören. Hinzu kommt, dass es meiner Meinung nach bei so einer Teilnehmerzahl und einhergehenden gut geschulten Organisations-/Streckenpersonal möglich sein sollte, auch am Tag des Rennens noch auf das Wetter zu reagieren. Soll heißen, wenn ich vom Wetterdienst den Hinweis bekomme das für die besagte Region ein Gewitter am Nachmittag kommen soll, warum dann nicht eine Stunde früher starten? Oder bei drohendem Gewitter und/oder Schlechtwettereinbruch die Leute beispielsweise an der Abzweigung zum Hölltörl geradeaus hinunter leiten? Oder zum Beispiel eine Uhrzeit in Form eines Cutoff zu definieren ab der Alle auf die kürzere und mit weniger Höhenmetern versehene Strecke geschickt werden. Schließlich sind die Strecken deutlich kürzer und somit aus Veranstaltersicht “übersichtlicher” geworden. 

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Fazit von Sebastian

Die Salomon 4Trails sind aus meiner Sicht etwas für Einsteiger in die alpinen Trails und/oder Etappenrennen. Aber auch für ambitionierte Trailrunner können sie etwas sein, denen sollte es dann aber mehr ums Tempo als um einen hohen Trailanteil gehen. Die Idee mit den fortgesetzten Etappen von Seefeld bis an den Gardasee finde ich super.

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