Name: Transylvania 100k
Distanzen: 50 und 100 km (seit 2018 auch weitere)
Website:https://www.transylvania100k.com/
Bilder: ©Trampelpfadlauf
Rumänien, ein Land, das unterschätzt wird. Holger durfte ein schönes Land, nette Menschen, gutes Essen und seinen härtesten Lauf erleben.
Durch den Hinweis von einem Freund bin ich auf den Lauf “Transylvania 100k” (http://www.transylvania100k.com/) aufmerksam geworden. Ein Ultratraillauf über 100 Kilometern mit über 6.000 Höhenmetern im Anstieg und dasselbe auch wieder runter. Start und Ziel sollten am Fuße des Schlosses Bran sein, das auch als Dracula-Schloss bekannt ist. Das alles hatte direkt mein Interesse geweckt – oder hier würde der Spruch “Blut geleckt” besser passen. Rumänien ist ein Land, für das ich mich vorher nur sehr wenig interessiert hatte und noch weniger wusste, nur die üblichen Vorurteile waren mir bekannt. Aber diese wurden ziemlich schnell ausgeräumt. Durch meine Werbung für den Lauf in den sozialen Medien wurden schnell noch weitere Läufer aus Deutschland und Belgien auf diesen Lauf aufmerksam und so reiste ich mit den beiden belgischen Ultratrailläufern Arno Lux und Stephan Peters in ein Abenteuer.
Die Anreise über Brüssel nach Bukarest und weiter nach Bran verlief problemlos. Die gebuchte Unterkunft “The Guesthouse Bran” war ein absoluter Glücksgriff. Sauber, freundlich super Service und klasse Verpflegung.
Freitagabend versammelte sich die kleine Läufergemeinde in der Turnhalle von Bran. Die Anzahl der Teilnehmer verteilte sich in gleichen Teilen auf die 100- und 50-Kilometer-Strecke. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus Rumänien, Deutschland und England. Alle waren gespannt, denn erst Anfang der Woche hatte es in den Karpaten wieder geschneit und es hieß, wir müssten eine andere Strecke laufen.
Das Orgateam um Andy Heading hatte die letzten zwei Tage kaum geschlafen und für uns die neuen Strecken erkundet, markiert und in letzter Minute noch Karten drucken lassen.
Noch eine Besonderheit wartete auf die Teilnehmer. Jeder wurde mit einer Trillerpfeife ausgestattet, die im Wald unbedingt permanent zu benutzen wäre. Denn nur so könnten die häufig vorkommenden Bären ferngehalten werden. Für uns war das schon merkwürdig, gerade im Wald Krach zu machen, ist das doch genau das, was wir bei uns nicht machen sollten. Dass es aber keinenfalls falsch war, zeigt die Tatsache, dass ein Teilnehmer eine Bären-Begegnung hatte, die aber zum Glück ohne Probleme verlief.
Nach der Vorstellung der Strecke und der Besonderheiten wurden die Pflichtausrüstungen jedes Teilnehmers genauestens überprüft. Vorgeschrieben waren 500 g Notfallproviant, Erste- Hilfe-Set, Regenbekleidung, Handschuhe, Mütze, Handy, Notfalldecke, 1 l zu trinken, Kompass und Karte. So kamen schnell 5 kg zusammen.
Danach gab es in einem traditionellen Restaurant die Ciorba-Party. Ciorba ist eine regionale Gemüsesuppe. Aber das war nur die Vorspeise des kleinen, aber feinen Drei-Gänge-Menüs.
Danach ging es für mich ins Bett. Ich fühlte mich nicht fit und der wenige Schlaf vom Vortag wollte ausgeglichen werden.
Unser Vermieter John war extra früh aufgestanden, um mir und den anderen Läufern schon um 4:30 Uhr das Frühstück zu servieren.
So gestärkt ging es zum Start im Schatten des Schlosses Bran. Eine wunderschöne Kulisse. Der Start wurde von Vlad III. Drăculea gegeben und von der Angst, das man geköpft werden könnte, lief die kleine Meute los. Das Wetter war gut. Nicht zu kalt und trocken von oben, doch der Blick auf die Berge war noch verhangen.
Nach rund 2 km wurden die 50- und 100-km-Läufer getrennt und für die 100-km-Läufer ging es auf den ersten langen Anstieg.
Auf rund 8 Kilometern mussten 1400 Höhenmeter überwunden werden. Am Ende des Anstieges auf einer Höhe von 2200 m erwartet uns der Schnee der letzten Tage. Der Wind pfiff, aber die Aussicht auf die umliegenden Gipfel und ins Tal waren eine Entschädigung. Einige Schneefelder, die nicht ganz so harmlos waren, mussten überwunden werden.
Der Abstieg ging fast genauso steil wieder runter. Im Wald wechselte ich mich mit Stephan immer wieder ab und jeder machte mal den “Bär bleib Weg Lärm” mit seiner Pfeife. Es folgten mehrere kurze und heftige Auf- und Abstiege durch die Wälder, gespickt mit ein paar Bachdurchquerungen.
Das Wetter wurde zunehmend schlechter, Wind und Regen ließen die Temperaturen und die Stimmung sinken. Beim nächsten Verpflegungspunkt freute ich mich auf die warme Ciorba, wärmte mich auf, zog mir dann meine Kapuze über den Kopf und auf ging es in den Kampf gegen Regen und Wind. Kurz vor Kilometer 30 kam nochmal die Sonne raus, trocknete uns, nur damit wir uns beim kommenden Anstieg wieder nass schwitzen konnten.